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Hochstein (Pfalz) (DE)

  • Herbstpfeiler (6) - nach der Schlüsselstelle
Der Hochstein ist ein sehr bekannter und daher häufig besuchter Fels. Es ist vor allem an Wochenenden mit viel Andrang zu rechnen. Trotzdem lohnt ein Besuch. Grund: Es locken viele schöne Touren in meist gutem Fels. Im 5./6. Grad sind hier vor allem die berühmt-berüchtigte PK-Kante (5+, E1/E2), Eichenriss (6-), Dornenriss (5) und Solaris (6+) zu erwähnen. Aber auch in den höheren Graden gibt es die ein oder andere schöne Route abzuhaken, z. B. Herr der Ringe (8,E1/E2).

Insgesamt bietet der Hochstein mehr als 70 Routen und Varianten, zwischen dem 1. und 9. UIAA Grad, viele davon im Bereich 6/7. Der Großteil des Routenangebots ist nach Süden ausgerichtet, sodass die Wände sehr sonnig und ein beliebtes Ziel in den kälteren Monaten sind. Man kann bei trockenen Bedingungen fast das ganze Jahr klettern. Der bewaldete Wandfußbereich bietet auch schattige Plätzchen, die Routen liegen aber weitestgehend in der Sonne. Das Hochsteinmassiv kann auch zu Fuß bestiegen werden und bietet im Gipfelbereich für Spaziergänger verschiedene Aussichtsplattformen mit Geländern. An diesen können für manche Routen Topropes eingehängt werden. Die Umlenkringe einiger weiterer Touren am Massiv können ebenfalls relativ einfach zu Fuß erreicht und toprope eingerichtet werden. Allerdings sind vereinzelt auch Routen bis zu 42 m vorhanden, die zwingend im Vorstieg bzw. in Mehrseillängentechnik erklettert werden müssen, insbesondere die Touren, die auf der frei stehenden Hochstiennadel enden.

Neben einigen klassischen Riss- und Verschneidungswegen, herrscht am Hochstein größtenteils Wandkletterei vor. Die Felsstruktur variiert zwischen plattig-kompakten Bereichen und Stellen mit Waben, Löchern und Henkeln.

 

Gestein

Sandstein

 

Absicherung

Wie fast überall in der Pfalz sollte man dem Fels nicht ohne ein umfassendes Sortiment an mobilen Sicherungsmitteln dabei zu haben zu Leibe rücken. Zwar sind am Hochstein auch einzelne, mit relativ vielen Ringen ausgestattete Touren zu finden, aber insbesondere die klassischen bzw. einfacheren Linien sind komplett oder nahezu clean.

 

Routenvorschläge

Hochsteinnadel Normalweg (3,E1): Ein im Grunde recht leichter Weg. Trotzdem sollte man ihn gemacht haben, denn laut Kletterführer ist er einer "der schönsten Normalwege der Pfalz". Wahrlich: hier kann man sich schon aufgrund der ausgetretenen "Treppenstufen" bildlich die Generationen von Kletterern vorstellen, die seit der 1918 erfolgten Erstbegehung dieses Weges, den Normalweg gegangen sind und sich im Geiste ausmalen mit welch kühnen Mitteln und Aktionen die frühesten Begeher die freistehende Hochsteinnadel, auf der die Tour endet, erklommen haben. Als besonderer Höhepunkt muss im oberen, sehr luftigen Teil zwischen Nadel und Massiv hochgespreizt werden, den Blick immer Richtung des am Fuße des Hochsteins liegenden Soldatenfriedhofs.

Solaris (6+): Eine für Pfälzer Verhältnisse mit 7 Ringen sehr gut abgesicherte Route. Und eine der schönsten am ganzen Massiv dazu. Unten wird zuerst eine leicht geneigte Platte in Reibungskletterei überwunden bevor sich der Fels aufsteilt. Nun gilt es an meist guten Henkeln und Löchern die senkrechten und stellenweise leicht abdrängenden Wandpassagen zu überwinden. Trotz der vielen Ringe besteht die Option die Absicherung mit einem Cam 2 zwischen 1. und 2. Ring und einem Cam 0,75 zwischen 3. und 4. Ring zu verbessern. Die Route lässt sich im Übrigen auch über das Geländer der Aussichtsplattform topropen.

Graue Wand (4+): Genüssliche und sehr schöne Tour, die im unteren Teil einer Verscheneidung folgt. Nach dem Stand auf dem Absatz folgt dann ein cleaner, sehr gut absicherbarer Riss, bevor oben in der Ausstiegswand herausgequert wird. Umlenkung ebenso wie bei der Solaris am Geländer möglich. Allerdings ist der Routenverlauf nicht senkrecht, somit besser vor- und nachsteigen statt topropen. Genuss pur!

Herbstpfeiler (6): Nette, kürzere Tour, die unten und oben leicht ist. In der Schüsselstelle im Mittelteil muss in einer Wabenpassage kurz durchgezogen und hochgetreten werden. Mit 3 Ringen nicht übersichert, wobei die Ringe an der Schlüsselstelle optimal stecken.

Dornenriss (5): Wunderschöne, cleane Rissverschneidung. Die linke Verschneidungsseite wird von einer leicht geneigten Reibungsplatte gebildet, die immer wieder gute Griff- und Trittmöglichkeiten bereithält, die rechte Seite ist eher glatt und senkreckt. Eine der schönsten Routen am Fels die perfekt absicherbar ist!

Stemmkamin (3/E2): Wer nach dem Dornenriss noch nicht genug hat, der steige über den sich anschließenden Kamin weiter bis zum Gipfel und genieße enge, klassische Kaminschrubberei. Man sollte in dem engen Schlund allerdings nicht die neuesten und empfindlichsten Klamotten tragen. Ebenso ist es ratsam den Helm abzulegen, will man nicht stecken bleiben. Die engste Stelle kann - oder muss (je nach Körperfülle) - zwar auch weiter außen umgangen werden, dann klettert man allerdings ungesichert und exponiert. Insgesamt eine nette Spielerei, die man mal gemacht haben sollte.

Eichenriss (6-): Noch einmal eine der schönsten Routen am Fels! Auch hier wieder ein cleaner Riss, insgesamt aber etwas steiler als der Dornenriss. Doch genauso schön. An der Schlüsselstelle muss eine leicht überhängende Rissverschneidung überwunden werden. Beherztes Piazen und solides Stehen inklusive. Sollte man nicht verpassen!

Rebell Yell (7-): Schöne Pfälzer Sportkletterroute! Soll heißen, dass man hier auf akzeptable Hakenabstände trifft. Nur hier und da muss man etwas weiter vom letzten Haken wegklettern. Unten geht’s auf Reibung über eine Platte, dann über einen Aufschwung in steiler Wandkletterei an stellenweise anstrengend-kleinen Griffen zum Ausstieg.

Land des Lächelns (6+): Schöne, lange Route, die im unteren Teil in einem Linksbogen über eine recht strukturlose Wandpartie mit kniffliger Schlüsselstelle führt. Im weiteren Verlauf herrscht meist geneigte, nur stellenweise steilere Wandkletterei vor, die von bauchig-glatten Wülsten und gelegentlichen Rissen geprägt ist.

Grauer Pfeiler (6-): Tolle, abwechslungsreiche und lange Kletterei. Schöne Mischung aus Rissen unterschiedlicher Breite, Reibungspassagen auf Platten und von Querbändern strukturierten Aufschwüngen. Auch kurze, sehr griffige Stellen sind zu finden, ebenso wie eine Verschneidung im Einstieg. Im Einstieg und - je nach Variante - im Ausstieg, kommt man mal an nem Ring vorbei. Der Rest ist eigenständig abzusichern.

PK-Kante (5+ / E1/E2): Von Norden leicht über einen kurzen Riss auf den Vorbau (Stand möglich). Von dort links hoch um die Kante und in mäßig steiler Kletterei in meist abwärts geschichtetem Fels nach oben bis sich die Wand senkrecht aufsteilt. Ab hier geht’s ausgesetzt nach rechts um die Kante zu einem Absatz, wo ein weiterer Stand möglich ist. Die restlichen Meter zum Gipfel der schmalen Hochsteinnadel sind exponiert, senkrecht und stellenweise etwas brüchig. Insgesamt eine große pfälzische Felsfahrt!

Frühlingsweg (6): Anspruchsvoller, aber gut absicherbarer, klassischer Wanddurchstieg. Die logische Linie durch die Wand rechts der Hochsteinnadel folgt unten einem Rissystem und bietet durchaus kraftraubende, steile Passagen. Im oberen Bereich lehnt sich die Wand kurz zurück. Hier quert man einige Meter nach rechts zum Stand. Von diesem weiter nach rechts und über den abdrängenden, kurzen Riss (2 Ringe) aussteigen.

Lochweg (5-): Nette, weitestgehend einfache Kletterei, die im unteren Teil dem Verlauf eines Wurzelsystems folgt, vereinzelt aber auch schöne Wabenpassagen zu bieten hat. Größtenteils bewegt man sich in geneigtem Gelände. Die Hauptschwierigkeiten liegen in den abdrängenden Einstiegsmetern und im Ausstieg, einer schönen Rissverschneidung. Nicht ganz so schön und homogen wie die etwas weiter links gelegene Graue Wand, aber ähnliche Genussroute. Der originale Routenverlauf verläuft im unteren Bereich übrigens weiter links durch die glatte Verschneidung, aber naherzu jeder steigt weiter rechts am überhängenden Wandbereich ein und quert erst nach dem Baum nach links in die Originalroute.

Blockwand (6-): Kann man mal machen, aber kein Muss! Der erste Teil ist ganz nett und bietet mit einer kurzen Fingerriss einen bissigen Einstieg. Der obere Teil der Route ist weniger schön.

Herbstwand (7-): Annähernd senkrechte, anstrengende Wandkletterei mit schönen Bewegungsabläufen. Die Schlüsselstelle ist der Mittelteil, eine seichte, glatte Verschneidung mit einem Fingerriss - falls man ganz schmale Finger hat. Außerdem ist eine kurze Wabenpassage geboten. Im Ausstieg leichter und nicht mehr ganz senkrecht.

Höhlenweg (5): Eine etwas abgelegene Route, weit hinten am Hochsteinmassiv. Sie gehört auch nicht zu den am stärksten frequentierten Kletterwegen am Fels und man muss sie nicht unbedingt gemacht haben. Eher was für eingefleischste Pfalzkletterer, die Routen sammeln. Unten geht's über eine mit gehauenen Tritten versehene Platte zu einer Höhle. Von dort einige Meter senkrecht an einer schönen, leicht hohl klingenden Piazschuppe in eine Verschneidung, die sich oben zurücklehnt und man so gemütlich aussteigen kann. Ganz nett ist es dann schon wenn man's gemacht hat.

Lagerwand (6): Heutzutage nur noch selten gekletterter klassischer Weg von Hans Laub, der weit hinten am Hochsteinmassiv liegt. Über eine kurze, abdrängende Wandstelle an zuerst guten, dann schlechter werdenden Griffen erreicht man einen seichten Riss, dem man einige Meter folgt. Im Mittelteil und oben hat man es mit leicht geneigter bis senkrechter Wandkletterei zu tun, stellenweise mit diffizil-sloperigen Griff- und Trittmöglichkeiten. Ab der Mitte stecken 3 Ringe, der für 6 sehr schwere Einstieg ist schlecht abzusichern und hätte eine E-Bewertung verdient.

Durchgangsweg (1): Kann man kaum als eigenständige Kletterroute bezeichnen. Wird eher dazu genutzt schnell und seilfrei von der Süd- zur Nordseite des Hochsteins zu gelangen (oder umgekehrt). Einige Meter rechts der Rebell Yell (7-) über einen kurzen Aufschwung zu einem breiten Band. Von hier kurz zum Felsfenster hochklettern und gegenüber wieder hinab.

Frühstücksweg (5): Recht kurze, aber ganz nette Route, die auf dem breiten Band links vom Durchgangsweg (1) abzweigt und ganz oben mit der Rebell Yell (7-) zusammentrifft. Man hat es mit einer gut absicherbaren Rampe bzw. Verschneidung zu tun - und dann ist man schon oben.

Südwand-Sattelriss (5+): Hat es zu Unrecht nicht in den Panico Auswahlführer geschafft, sondern ist lediglich in älterer Führerliteratur verzeichnet. Tolle, anspruchsvolle Rissverschneidung zwischen Hochsteinturm und -grat, die durchgängig selbst abzusichern ist. Dafür ist großes Gerät sehr hilfreich. Wird selten geklettert. Freunde klassischer, fordernder Linien sollten unbedingt einsteigen. Seit einiger Zeit ist auch ein Umlenkring vorhanden, zuvor musste am Ausstieg über einen gegenüber stehenden Baum bzw. ein wenig vertrauenerweckendes Wurzelsystem nachgesichert werden.

Nordriss (6 / E1/E2): Auf der Südseite zu heiß, zu viel los...oder einfach Lust auf anspruchsvolle, ernsthafte Risskletterei. Dann ab auf die Nordseite in den Nordriss. Dieser, bis heute eher selten gekletterte, Weg fürt auf der Gegenseite des Hochsteinnadel-Normalwegs in die Scharte zwischen Massiv und Nadel. Er wurde 1921 von Wilhelm Matheis praktisch ohne Sicherungsmöglichkeiten erstbegangen, ein tollkühnes Unternehmen! Mit entsprechender Anzahl und Größenauswahl moderner Cams lässt sich die Route heute zwar vernünftig absichern, im unteren Teil, einem abdrängenden, breiten Riss, wird aber auch der versierte Risskletterer zu kämpfen haben. Nach oben hin wird es dann gängiger, dennoch eher was für Spezialisten.


Bilder

  • Impressionen am Hochstein
  • Graue Wand (4+) - Der schöne Riss nach dem Standplatz
  • Solaris (6+)
  • Herbstpfeiler (6) - nach der Schlüsselstelle
  • Felsstruktur am Hochstein
  • Der Normalweg auf die Hochsteinnadel (3,E1) führt über die gut erkennbare Rissverschneidung
  • Der Normalweg auf die Hochsteinnadel (3,E1)
  • Der Normalweg auf die Hochsteinnadel (3,E1) - oben heißt es spreizen
  • Am Gipfel der Hochsteinnadel
  • Abseilen von der Hochsteinnadel
  • Hochstein – Dornenriss (5) – Wunderschöne, cleane Verschneidungskletterei im Dornenriss
  • Hochstein - Südwand-Sattelriss (5+)

 

Kletterführer/Topo

Jens Richter, Sabine Tittel: Pfalz. Klettern im Buntsandstein des Pfälzer Felsenlandes. Panico Alpinverlag. 4. Auflage 2013

Udo Daigger, Hans-Jürgen Cron: Südpfalz. Klettern im Buntsandstein. 4. aktualisierte Auflage 2005. (Achtung: Führer ist vergriffen und wird nicht mehr aufgelegt. Nur noch antiquarisch erhältlich.)

 

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