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Backelstein (Pfalz) (DE)

  • Backelstein (Palz) - Große Südverschneidung (5+/E1) - durch die steile Wabenwand links davon führen die Routen Tabu (7+), Strich (7-/E1/E2) und Direkter Strich (8/E2)
Der Backelstein – kein Fels mit einer sehr großen Routenauswahl, aber dennoch ein ganz, ganz Großer. Groß in vielerlei Hinsicht: Zunächst ist er mit stattlichen 58m einer der höchsten Pfälzer Kletterfelsen. Damit zusammenhängend kann man an ihm entsprechend ausgedehnte Routen klettern. Auch diese selbst – zwar nur 22 an der Zahl – tragen zu seiner Größe bei. Es sind nämlich einige wirklich herausragende Wege darunter. Sei es die anspruchsvolle Große Südverschneidung im oberen 5. UIAA-Grad, die imposante Direkte Herbstroute im oberen 6., die Rote Wand im 7. oder der Direkte Strich im 8. Grad. Sie sind alle auf ihre Art außergewöhnlich. Diese Auswahl gibt auch schon einen Hinweis auf die Schwierigkeitsverteilung am Fels. Unterm oberen 5. bis 6. Grad gibt es nichts Lohnendes. Dafür viel im 7. bzw. 8. Grad. Und ein wenig im 9. Grad.

Groß liest sich übrigens auch die Liste der Erstbegeher. Hier tummeln sich große Namen aus verschiedenen Epochen der Pfälzer Klettergeschichte. Angefangen mit Fred Frey, über Hans Laub, Elmar Hasselwander und Thomas Nöltner, bis hin zu Hans-Jürgen Cron. Groß sind nicht zuletzt auch die, einen schon optisch in den Bann ziehenden, genialen und markanten Linien, die den Fels durchkreuzen.

Zu den weiteren Fakten: Nahezu alle Routen sind südlich ausgerichtet und daher sonnig gelegen. Das einladende Gelände am südlichen Wandfuß ist eben und von lichtem Wald geprägt. Der Fels liegt ruhig, fernab von größeren Straßen im Wald etwas Abseits vom Ortsrand von Hauenstein. Lediglich, das Luftlinie nur wenige Hundert Meter entfernte Freischwimmbad, auf welches man vom Gipfel blickt, kann in den Sommermonaten für Geräuschkulisse sorgen. Das erfrischende Bad ist dafür aber nicht weit. Denn man parkt direkt am Schwimmbad und ist von dort in etwa 5 min. am Fels.

 

Gestein

Sandstein

 

Absicherung

Zwingend erforderlich sind in nahezu allen Routen mobile Sicherungsmittel. Welche und wie viele hängt von den gewählten Routen ab. Manche Routen sind komplett selbst abzusichern, in anderen stecken für Pfälzer Verhältnisse eine ordentliche Anzahl von Ringen, die aber oft durch Mobiles ergänzt werden wollen.

Aufgrund der Routenlängen ist ein mind. 70m Seil sinnvoll. Obligatorisch sollte außerdem ein Helm sein.

 

Routenvorschläge

Direkte Herbstroute (6+/E1): Steht man vor der mächtigen Südwand, sticht einem vor allem diese Linie ins Auge. Beginnend mit einem markanten Rissystem, mit teils parallel verlaufenden Rissen unterschiedlicher breite, dann einem Quergang folgend, der die logische Verbindung zur beeindruckenden Ausstiegsrissverschneidung herstellt. Die Kletterei ist trotz der vielen Ringe – neun Stück, auf einer Länge von mehr als 50m – anspruchsvoll und fordernd. Dabei stets interessant, abwechslungsreich und schön. Der Einstieg und der Weg zum ersten, weit oben steckenden Ring ist mit E1 zu bewerten. Auf den ersten Metern lässt sich aufgrund der Kletterposition an einer runden Piazschuppe keine Sicherung im dahinter liegenden Riss legen. Hier ist solides obligatorisches Klettern gefragt. Im weiteren Rissverlauf zum ersten Ring lassen sich dann aber Friends und Keile gut unterbringen. Im Mittelteil und oben stecken dann regelmäßig Ringe. Außerdem kann zusätzlich mobil ergänzt werden. Wer den Grad sicher klettern kann sollte sich diese Route keinesfalls entgehen lassen.

Platteneinstieg zur Herbstroute (6-/E1): Die E1 Bewertung erscheint in diesem Fall etwas übertrieben. Lässt sich der Weg zu den Ringen doch gut mit Friends absichern. Wie der Name bereits vermuten lässt klettert man im unteren Teil in plattigem, aber gut absicherbarem Gelände. Dann erreicht man eine Verschneidung, die nach einigen Metern in geneigtes Gelände führt, welches zur Herbstroute leitet. Diese Route stellt eine schöne Möglichkeit dar den oberen Teil der Herbstroute zu erreichen und so den nicht ganz ungefährlichen Einstieg der Direkten Herbstroute zu vermeiden. Allerdings verpasst man so auch viele weitere, herausragende Klettermeter. Man wird sich entscheiden müssen!

Kür + Krümelmonster (6): Stellenweise interessante, annähernd senkrechte Wand- und Reibungskletterei. Oft an runden, teilweise sandig-schmierigen Griff- und Trittstrukturen. Diese wirken an verschiedenen Stellen wie künstlich hergestellt. Ebenso wie der Platteneinstieg zur Herbstroute eine Möglichkeit um den oberen Teil der Herbstroute zu erreichen. Kann man mal klettern, ist aber nichts besonderes.

Große Südverschneidung (5+/E1): Was für eine Linie! Perfekte, riesige Rissverschneidung, die über mehr als 40m senkrecht nach oben zieht. Der Riss variiert zwischen Hand-, Faust- und Schulterrissbreite. An vielen Stellen kann man aber sehr gut ausspreizen und die supergriffigen Wabenhenkel in der linken Verschneidungswand nutzen. Außerdem sind einige Meter Kaminkletterei inklusive. Traumhafte Kletterei, die allerdings komplett mobil abzusichern und anspruchsvoll ist. Lediglich am Beginn des Kaminteils, der ansonsten überhaupt nicht absicherbar wäre, lässt sich ein Ring der Nachbarroute nutzen. Ansonsten lässt sich der Spaß mit vielen großen Camelots vernünftig absichern (vor allem Cam Größen 2-4 mehrfach sinnvoll). Oder man macht es wie der Erstbegeher Hasselwander, der nach laut werdeneden Zweifeln am Begehungsstil die Route kurzerhand noch einmal solo wiederholte und damit alle Kritiker verstummen ließ.

Falkenriss (6+/E1): Die einzige komplett nordseitig liegende Route am Fels wird – wie zu vermuten – von einem durchgängigen Riss geprägt. Dennoch ist das ganze Unterfangen abwechslungsreich, zumal ganz unten auf Reibung geklettert, im Mittelteil in einer steilen Rissverschneidung gepiazt und im abdrängenden Ausstieg auch mal ein Henkel neben dem Riss gezogen wird. Dazwischen kann und darf aber auch munter geklemmt werden. 2 Ringe und eine gute Auswahl größerer Friends sind zur Absicherung zu gebrauchen. Insgesamt durchaus brauchbare Kletterei, die aber im Schatten einiger anderer, herausragender Routen am Fels steht und somit nicht die Beachtung findet, die sie anderenorts möglicherweise erhielte.

 

Bilder

 

  • Backelstein (Palz) - Die hohe Südwand - rechts das Einstiegsrisssystem der Direkten Herbstroute (6+/E1), die nach einem Quergang in die markante Verschneidung links oben leitet.
  • Backelstein (Palz) - Große Südverschneidung (5+/E1) - durch die steile Wabenwand links davon führen die Routen Tabu (7+), Strich (7-/E1/E2) und Direkter Strich (8/E2)
  • Backelstein (Palz) - Direkte Herbstroute (6+/E1) - Nchsteiger im Risssystem des Einstiegs unterwegs zum Quergang
  • Backelstein (Palz) - Direkte Herbstroute (6+/E1) - die steile Verschneidung im oberen Wandteil kurz vorm Standplatz
  • Backelstein (Palz) - Direkte Herbstroute (6+/E1) - gemütlicher Ausstieg mit nachlassenden Schwierigkeiten
  • Backelstein (Palz) - Am Gipfel
  • Backelstein (Palz) - Platteneinstieg zur Herbstroute (6-/E1)
  • Backelstein (Palz) - Kür + Krümelmonster (6)
  • Backelstein (Palz) - Wandfußbereich unter der Südwand

 

Kletterführer/Topo

Jens Richter, Sabine Tittel: Pfalz. Klettern im Buntsandstein des Pfälzer Felsenlandes. Panico Alpinverlag. 4. Auflage 2013.

Kommentare   

 
#1 Thomas 2016-05-23 21:05
Tolle Berichte, angenehm zu lesen.

Nur eine kleine sachliche Kritik: der Friend im Platteneinstieg ist heikel was Stürze angeht, diese Schuppe mag massiver erscheinen als sie tatsächlich ist. Das ergibt sich unter anderem daraus, daß sie nicht fest mit dem Massiv "verwachsen" ist, ihre Masse im Verhältnis zu ihrer Lage (nahezu aufrecht) wider der eigenen Wahrnehmung eher gering ist gegenüber der enormen Spreizkräfte eines Friends und zu guter Letzt aus der Schichtung der Schuppe (Sedimentgestei n), welche wie eine Sollbruchstelle wirkt. Deswegen ist die Bewertung E1...

Ansonsten tolle Seite, bin mal auf die anderen Artikel gespannt.

Beste Grüße,
Thomas
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