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Lämmerfelsen (Pfalz) (DE)

  • Lämmerfelsen - Schiefer Nordriss (6-) am Hirtfels - Einstieg
Die Lämmerfelsen bieten in ihrer Routenauswahl den ein oder anderen geschichtsträchtigen Meilenstein. Allen voran sicher die 1923 zu damaligen Verhältnissen mehr oder weniger ungesichert begangene Bockverschneidung (6-) oder auch den bereits 1914 erstbegangenen Normalweg auf den Theoturm (5+/E2). Neben diesen finden sich am langgestreckten Felsriff, welches aus mehreren miteinander verbundenen Türmen besteht, etwa 40 weitere Kletterwege. Eine kleine Besonderheit ist, dass, abgesehen vom Highend Bereich, in nahezu allen Schwierigkeitsgraden etwas dabei ist. Der Hauptanteil liegt zwar im 6. bis 7. UIAA Grad, aber auch in allen darunter liegenden Graden (ab 2. Grad) finden sich zumindest einzelne, oft lohnende Wege. Dazwischen, sowie im großen Südwandausbruch, liegen schwere Klettereien im 8. und 9. Grad. Darunter auch der große Klassiker Batman (8+).

Obwohl nahezu die Hälfte der Routen in der Südwand angesiedelt sind, liegt der Fokus – vom großen Südwandausbruch mal abgesehen – doch auf der Nordseite. Hier ist am meisten los und hier kommen auch immer mal wieder Spaziergänger auf dem Wanderpfad vorbei und bewundern und kommentieren das seltsame Treiben der Vertikalsportler.

Mit einer maximalen Höhe von 44m erreichen die Lämmerfelsen stattliche Ausmaße. Durch die unterschiedlich hohen Türmchen und niedrigeren Verbindungsgrate variieren die Routenlängen allerdings sehr. Kaum eine Route erreicht diese Länge.

Der Charakter der Kletterei spiegelt oft die Historie der Erschließungswellen wider. Die zu Beginn des 20. Jahrhunderts erschlossenen Normalwege auf die einzelnen Türme orientieren sich an Kaminsystemen, Kanten und Bändern und liegen etwa im 2. und 3. Grad. Um den 6. Grad herum liegen die großen, klassischen Linien, die sich an Rissen und Verschneidungen orientieren und in den 20er bis etwa 50er Jahren erstbegangen wurden. Alles was danach kam ist oft mehr oder weniger schwere Wandkletterei.

Das bewaldete Gelände um den Fels herum ist nicht extrem steil, liegt aber am Hang und die einzelnen Einstiege sind durch schmale Pfade verbunden. Zum Teil muss auch mal über kleinere Felsblöcke oder Absätze geklettert werden um zu den Einstiegen zu gelangen. Größere ebene Flächen wie z.B. am nahegelegenen Büttelfels gibt es nicht.

Der Zustieg vom Waldparkplatz am Ortsende von Dahn dauert nur wenige Minuten.

 

Gestein

Sandstein

 

Absicherung

Hier ist von der klassischen, komplett selbst abzusichernden Linie bis zur für Pfälzer Verhältnisse relativ gut abgesicherten Sportkletterroute (meist in höheren Graden) alles zu finden. Je nach dem welchen Weg man klettert, sollte man also mehr oder weniger mobiles Sicherungsmaterial sowie Bandschlingen dabei haben.

 

Routenvorschläge

Bockverschneidung (6-): Wie bereits angeklungen eine DER klassischen Linien am Fels. Die fantastische, komplett ringfreie Rissverschneidung wurde bereits 1923 von Otto Mattheis erstbegangen. Sie galt aufgrund der mit damaligen Mitteln Nicht-Absicherbarkeit - zumindest in den folgenden Jahrzehnten - als berüchtigt, was ihr in den ersten 30 Jahren gerade mal 3 Begehungen bescherte. Mit heutigem Material ist die Kletterei allerdings sehr gut absicherbar und die Route erfreut sich großer Beliebtheit. Tolle Handklemmer und Piaz-Züge. Sollte man sich keinesfalls entgehen lassen.

Bockturm Normalweg (2): Sehr einfacher, aber hochklassischer und lohnender Weg, der in spiralförmiger Art und Weise nahezu den kompletten Bockturm umrundet. Steigt auf der Nordseite unter dem Bockturmgipfel in einen Kamin ein, über den die Scharte zwischen Bockturm und Hirtfels erreicht wird. Von hier quert man über gestufte Aufschwünge und Bänder in die Südwand, durchkreuzt diese komplett um an der Ostkante den Gipfel zu erklimmen.

Schiefer Nordriss (6-): Vor allem in der zweiten Hälfte ein Bilderbuchriss, der weitestgehend selbst absicherbar ist und nur einen fixen Ring aufweist. Im abdrängenden Riss selbst wird geklemmt bzw. gepiazt. Wunderschön anstrengend.

Nordwanddach (6+/E1): Super-schöne Risskletterei! Unten geht es mit einem senkrechten Handriss los, der weiter oben eine kurze Piazpassage beinhaltet. Ab dem Absatz in der Mitte schließt sich ein griffiges Dach an, in welchem sich der Riss verbreitert. Nach diesem steckt der erste und einzige Ring der Route und der hier wieder handrissbreite Riss zieht weiter durch die sich anschließende senkrechte Wand. Wer gerne klemmt und Handrisse mag, sollte sich diese Linie nicht entgehen lassen.

Hirtfels Normalweg (3/E1): Netter, kurzer Weg auf den Hirtfels. Nicht sonderlich spektakulär aber durchaus eine Begehung wert. Startet in der Scharte zwischen Bockturm und Hirtfels, in die man z.B. über den unteren Teil des Bockturm Normalwegs oder das Nordwanddach gelangt. Von dort zunächst ein Stück die rechte Kante hoch, dann in die Nordwand queren und über Bänder bis zur westlichen Kante des Turms. Dort zum Gipfel aussteigen.

Himmelsleiter Westgrat (2): Netter, kleiner Grat. In den sonnigen Abendstunden fast schon ein Spaziergang. Ein bisschen klettern muss man aber schon.

Himmelsleiter Südwand (5): Kurze, etwas verwinkelte Kletterei. Verlangt etwas verschachtelte Bewegungsabläufe. Manche mögen es, manche nicht. Kann man mal machen.

Hirtfels Große Südwand (5+/E1): Großartige, lange Kletterei die sich entlang eines Rissystems, welches die komplette Südwand durchzieht, orientiert. Keine schnurgerade Linie, sondern man muss sich den Weg des geringsten Widerstands mit einigen kleinen Links-/Rechtsschleifen suchen (Sicherungen verlängern!), was großen Spaß macht. Dazu darf man sich weitestgehend selbst um die Absicherung kümmern, was ebenfalls Spaß macht und sehr gut geht, sofern man ein umfassendes Sortiment Friends und Keile dabei hat. E1 ist der Weg zum ersten Ring, der in einigen Metern Höhe steckt. Das darunter liegende Gelände lässt sich kaum absichern. Die uns am einfachsten und sichersten erscheinende Variante: etwa 3-4 m rechts des ersten Ringes im brüchig aussehenden, aber festen Fels einsteigen. Dort lässt sich ein Cam 0,4 legen. Dann an griffiger Kante nach links hangeln bis unter den Ring. Hier aufrichten und Ring clippen. Der Rest ist purer Genuss. Oben sollte man sich nicht von den super Henkeln verleiten lassen und nach links ausqueren (Seilzug!!!), sondern im Riss bleiben. Auch wenn dies erstmal schwieriger aussieht, im Ausstieg kommen gute Henkel.

Hirtfels Sattelaufstieg (4-/E1/E2): Rechts der Großen Südwand die auffällige Rissverschneidung empor. Schöne, nicht zu schwere Kletterei die im Einstieg des Kamins des Bockturm Normalwegs endet, den man auch vom Wandfuß der Nordseite erreicht. Dieser Kamin bietet sich als logische zweite Seillänge an. In der Scharte hat man dann die Möglichkeit als dritte Seillänge weiter den Bockturm Normalweg zu verfolgen oder den Hirtfels Normalweg dranzuhängen. Alles schöne Kombinationen im unteren Schwierigkeitsbereich.

 

Bilder

 

  • Lämmerfelsen - v.l.n.r.: Bockturm, der schmale Hirtfels-Gipfel, Verbindungsgrat, der markante Theoturm und Himmelsleitermassiv
  • Lämmerfelsen - Nahaufnahme Bockturm und Hirtfels
  • Lämmerfelsen - Bockverschneidung (6-) am Bockturm
  • Lämmerfelsen - Nachsteiger im oberen Teil der Bockverschneidung (6-)
  • Lämmerfelsen - Schiefer Nordriss (6-) am Hirtfels - Einstieg
  • Lämmerfelsen - Im Einstieg vom Schiefen Nordriss (6-) am Hirtfels
  • Lämmerfelsen - Im Mittelteil von Schiefer Nordriss (6-) am Hirtfels
  • Lämmerfelsen - Nachsteiger in der Großen Südwand (5+/E1) am Hirtfels
  • Lämmerfelsen - Nordwanddach (6+/E1)
  • Lämmerfelsen - Blick vom Landauer Turm der Durstigfelsen auf die Südwand der Lämmerfelsen

 

Kletterführer/Topo

Jens Richter, Sabine Tittel: Pfalz. Klettern im Buntsandstein des Pfälzer Felsenlandes. Panico Alpinverlag. 4. Auflage 2013.

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