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  • Buchstein Südwand (Südwandschmankerl) (6-) Bayerische Voralpen (DE)
  • Meteora (GR)
  • Meteora (GR)
  • Bergseeschijen Südgrat (4c) Göschener Tal/Urner Alpen (CH)
  • Meteora (GR)
  • Motörhead (6a+) Grimselpass/Urner Alpen (CH)
  • Salbitschijen Südgrat (5c+/5b, A0) Göschener Tal/Urner Alpen (CH)
  • Qualcuno Volò sul Nido del Cuculo (6a+) Placche di Paleria/Tessin (CH)
  • Hochschijen Südgrat (3b-4c) Göschener Tal/Urner Alpen (CH)
  • Le Strange Voglie di Amelie (5c) Sarche/Sarcatal (IT)
  • Klein Bielenhorn Schildkrötengrat (4b, A0) Furkapass/Urner Alpen (CH)
  • Spilauer Stock Westgipfel Südwand (5c+, A0) Schächental/Urner Alpen (CH)
  • Gross Bielenhorn Südostgrat (5c+/4c, A0) Furkapass/Urner Alpen (CH)
  • Karatasch (Karataslar) - Kemer (TR)


Hintere Platteinspitze/Südwand (6-) Lechtaler Alpen (A)

  • Hintere Platteinspitze - Blick auf die Südwand
Die Hintere Platteinspitze ist mit ihren 2728m eine der höchsten Erhebungen rund um die Muttekopfhütte und wird lediglich vom Muttekopf um wenige Höhenmeter überragt. Außerdem ist sie mit ihrer mächtigen Südwand, durch die die hier beschriebene Route führt und den Gratabbrüchen des Melzergrats eine imposante Erscheinung.

Dieser Eindruck wird auch der Route selbst gerecht. Denn mit 800m Kletterlänge bzw. 18 Seillängen handelt es sich bei der Südwand um eine lange, alpine und in jeder Hinsicht abwechslungsreiche Tour.

 

Als Stützpunkt bietet sich die bereits erwähnte Muttekopfhütte (www.muttekopf.at) an, die mit ihrem gemütlich-gastfreundlichen Ambiente und hervorragendem Essen besticht. Neben dem Hüttenkomfort lockt die Hütte natürlich auch mit einer Vielzahl weiterer, sehr lohnender Klettermöglichkeiten. Im direkten Umfeld findet sich von perfekt eingerichteten Sportklettergärten, von kinderfreundlich bis ambitioniert, über kürzere, meist sehr gut abgesicherte Mehrseillängentouren, bis hin zu langen, alpinen Routen, wie der hier vorgestellten, eine Auswahl, die auch einen mehrtägigen Aufenthalt rechtfertigt.

Von der Hütte aus ist bis zum Routeneinstieg eine knappe Stunde Zustiegszeit zu kalkulieren. Die Tour ist allerdings auch als Tagestour vom Tal aus machbar. Man sollte dann vom Parkplatz unterhalb der Obermarkter Alm aus zusteigen (Achtung: Eingeschränkte Zufahrtszeiten! Straße zur Alm ist im Sommer zwischen 7:45 und 18:15 Uhr gesperrt). Ab dem Parkplatz Obermarkter Alm ist eine zusätzliche Stunde einzuplanen. Eine weitere Zustiegsmöglichkeit zur Hütte ist mit den Bergbahnen Hochimst möglich. Aufgrund der Liftbetriebstzeiten (9:00 – 17:00 Uhr) ist dies aber nur dann zu empfehlen wenn man länger auf der Hütte bleiben möchte. Dieses Zeitfenster reicht für eine Tagestour der beschriebenen Route nicht aus.

Die Route selbst startet zuerst schattig in einer engen Schuttrinne. Auch das Gestein wirkt in den ersten 2-3 Seillängen (2 bis 4- UIAA) stellenweise noch etwas brüchig, die Gesteinsqualität wird aber im Verlauf der Route deutlich besser. Nachdem man den Schluchtbereich verlassen hat wechseln sich im Mittelteil der Route Gehpassagen und einfache Querungen auf Grasbändern mit immer wieder sehr schönen Kletterseillängen ab. Hervorzuheben sind hier die beiden (Riss-)Verschneidungen in der 7. und der 10. Seillänge (5- bzw. 5). Vor allem die letztgenannte erfordert durch ihren leicht abdrängenden Charakter beherztes Steigen. Die Absicherung ist hier aber ausgezeichnet und könnte bei Bedarf problemlos zusätzlich mit Camelots verbessert werden.

Direkt danach erreicht man ein großes, breites Schuttband. Von hier leitet die Route über große, teilweise von Rissen durchsetzte Plattenfluchten weiter. In diesen nun folgenden Plattenseillängen ist die Absicherung nicht immer perfekt. Zusätzliche mobile Absicherung ist oft nicht möglich, sodass auch mal weite Strecken im 5. UIAA Grad obligatorisch geklettert werden müssen.

Nach der Schlüsselstelle (6-) in der 16. Seillänge führen zwei weitere, deutlich einfachere Seillängen in eine Scharte, wo die eigentliche Route endet. Am Gipfel ist man allerdings noch lange nicht. Man klettert einige Meter in die Scharte hinab um auf der Gegenseite wieder aufzusteigen und unterhalb eines kleinen rötlichen Überhangs nach rechts um die Ecke zu einem Schlingenstand zu queren (einige Haken weisen den Weg). Von hier aus geht es über mehrere hundert Meter in meist leichter, hier und da aber ausgesetzter Kletterei (Stelle 4-, sonst 1-2) und über Schrofen zum Gipfel. Wer seilfrei bzw. am Kurzen Seil geht benötigt mind 30-45 Min., wer komplett durchsichert entsprechend länger.

Die hier vorgestellte Route lässt sich im Übrigen sehr gut mit einer neuen, rechts von ihr verlaufenden Route (Plattenzauber ca. 6+ / Topo in der Muttekopfhütte einsehbar) kombinieren. Vor allem im oberen Teil, nach dem breiten Schuttband, verlaufen die beiden Wege oft direkt nebeneinander. Plattenzauber bietet hier die zwar etwas schwerere, aber deutlich besser abgesicherte Alternative (bis zu 17 Expressen pro Seillänge notwendig).

Der Abstieg führt vom Gipfel zuerst in nordwestlicher Richtung über einen gut markierten, stellenweise ausgesetzten Steig in Richtung Engelkar (ca. 25 Min.), durch welches man dann über breite Schotterfelder absteigt und vorbei am Engelkarturm zurückkehrt zur Hütte.

Tipp: Die parallel verlaufende Route Plattenzauber ist komplett zum Abseilen eingerichtet, allerdings sind die einzelnen Standplätze aufgrund des etwas unlogischen Routenverlaufs und einiger Quergänge schwer zu finden.

Insgesamt betrachtet handelt es sich bei der Südwand-Route um eine sehr lohnende, alpine Unternehmung für ausdauernde Kletterer. Eine zu kalkulierende Gesamtzeit zu benennen fällt schwer, da diese sehr davon abhängt wie schnell und eingespielt die Seilschaft ist, ob am Gipfelgrat seilfrei gegangen oder weiter gesichert wird und ob die Tour von der Hütte oder vom Tal aus angegangen wird. Auf jeden Fall sollte man genügend Zeitreserven einkalkulieren sowie nur bei stabilem Hochdruckwetter einsteigen, da ein Rückzug aus der Route kaum möglich ist. Außerdem schadet es nicht eine Stirnlampe für einen evtl. Abstieg in der Dunkelheit dabeizuhaben.

Imst (Talort): 827m / Obermarkter Alm (Parkplatz): 1577m / Muttekopfhütte: 1934m / Hintere Platteinspitze (Gipfel): 2728m

 

Gestein

Hauptdolomit

 

Absicherung/Material

Die Absicherung ist im Routenverlauf sehr unterschiedlich. Einige Seillängen sind ausgezeichnet mit Haken ausgestattet, wobei es sich stellenweise auch um Bohrhaken älteren Datums oder geschlagene Haken handelt. In anderen Seillängen (und zwar nicht immer nur in den einfachen!) finden sich recht große Hakenabstände, die die Beherrschung des obligatorischen Schwierigkeitsgrats fordern. Mobile Absicherung ist hier und da möglich, allerdings nicht überall.

Auch was die Standplätze betrifft ist die Route nicht immer perfekt eingerichtet. Bei unserer Begehung fanden wir an einigen im Topo eingezeichneten Stellen überhaupt keine eingerichteten Standplätze bzw. nur einen einzelnen gebohrten Haken ohne eine naheliegende Möglichkeit diesen durch mobile Sicherungsmittel zu ergänzen. An anderen Standplätzen stecken dafür wieder redundante Kettenstände. Die letzten Meter zum Gipfel sind ohnehin nicht mit Material ausgestattet und fordern den erfahrenen Alpinkletterer.

Neben Halbseil (auch wenn nicht über die Route abgeseilt werden kann), Helm und Expressen sind Camelots, Keile und Schlingen notwendig. Außerdem gutes Schuhwerk für den anspruchsvollen Abstieg und ggf. eine Stirnlampe.

 

Bilder

  • Hintere Platteinspitze - Blick auf die Südwand
  • links der Engelkarturm, rechts die Hintere Platteinspitze, dazwischen das Engelkar, durch das der Abstieg führt
  • Die Verschneidung in der 7. Seillänge (5-)
  • Tiefblick aus der 13. Seillänge - im Hintergrund der Melzergrat
  • vorauskletternde Seilschaft in der parallel verlaufenden Route Plattenzauber - hier in der besser abgesicherten Variante zur Schlüsselseillänge der Südwand-Route, welche links davon im Rissystem verläuft
  • die besser abgesicherte Variante zur Schlüsselseillänge der Südwand-Route: eine der oberen Seillängen von Plattenzauber
  • die Muttekopfhütte, rechts davon die Südwand der Hinteren Platteinspitze

Kletterführer/Topo

Elsner, Flür u.a.: Lechtaler Alpen. Alpine Ziele & Klettergärten. Panico Alpinverlag. 3. Auflage 2010

Kommentare   

 
#1 fatrock 2016-02-20 15:28
Nachdem Oliver und ich zuerst den Suedriss am Engelkarturm geklettert sind,haben wir im Juni 2012 auch die S Wand der Hinteren Platteinspitze durchstiegen,wo bei wir am Band unter der Plattenzone einen 15m breiten und bis zu 40 Grad steilen Firnguertel zu ueberqueren hatten.Die 5er und 6-SLn darueber verliefen dann halbwegs passabel.Der Abstieg vollzog sich dann sowohl im Kar,jedoch auch noch vielfach darueber zum groessten Teil ueber durchaus recht steile verfirnte Hang Bereiche
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